Kaba­rett ± Malerei ± Meer

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Ausstel­lung in Mainz

Eintritt: Erwach­sene 4€ | Ermä­ßigt 2,00€ | Kinder bis 8 Jahre frei

Öffnungs­zei­ten: Mo-Do 9.00 Uhr-17.00 Uhr | Fr 9.00 Uhr-14.30 Uhr
Jeden 1. Sonntag im Monat 11–17 Uhr | Jeden 1. Donners­tag im Monat „After­Work­Ar­chiv“ 17.00 Uhr — 21.00 Uhr
In den Sommer­mo­na­ten (Juli/August) nach Termin­ver­ein­ba­rung.

Wir stellen das ganze Jahr 2021 unter ein Motto: Kaba­rett ± Malerei ± Meer.

Wieso?

Nicht nur, weil das Deut­sche Kabarett­archiv sich im wunder­schö­nen Mainz am Rhein befin­det und der Rhein, als größter und wasser­reichs­ter Strom Deutsch­lands, schließ­lich in der Nordsee mündet. Das Archiv hat sich in den sechzig Jahren seit seiner Grün­dung fort­lau­fend weiter­ent­wi­ckelt. Zeigt sich viel­sei­tig und modern. Auch die kost­ba­ren Schätze, die es bewahrt, sind immer wieder bemer­kens- und sehens­wert. Und seine „Klien­ten“ erst recht! Die Kabarettist*Innen, Sänger*Innen, Autor*Innen. Da steckt geleb­tes Leben hinter jedem Buch, in jedem Text und jeder Note. Und immer wieder tritt Erstaun­li­ches zutage, wenn man sich mit den Künstler*Innen näher befasst: Sie haben viele Facet­ten. Nicht nur das „Rampen­licht­ge­sicht“. Manch­mal ist es sogar so, dass nicht einmal Kaba­rett­ex­per­ten alle Seiten kennen – und über­rascht sind, wenn sie den Künst­ler, die Künst­le­rin plötz­lich ganz anders erleben, als sie es gewohnt sind.

Aus diesem Grund befasst sich das Deut­sche Kabarett­archiv 2021 mit Künstler*innen, die im Kaba­rett Karriere mach(t)en, wunder­bar mal(t)en und/oder in irgend­ei­ner Weise mit dem Meer verbun­den sind/waren. Ob tatsäch­lich als Seemann oder als Geburts­ort.

Lassen Sie sich von der Ausstel­lung und den beglei­ten­den Veranstaltungen faszi­nie­ren und gut unter­hal­ten. Denn “Jeder­mann wird gebeten, recht zahl­reich zu erschei­nen”.*

*Ringel­natz, 1909, Zitat aus Werbe­karte für sein Taback­haus “Zum Haus­dich­ter” in München.
Von Januar – Ende Dezem­ber
Fotos © Kultur­his­to­ri­sches Museum Wurzen

Joachim Ringel­natz (*7. August 1883 in Wurzen als Hans Gustav Bötti­cher; † 17. Novem­ber 1934 in Berlin) war Schrift­stel­ler und Kaba­ret­tist, der vor allem für die humo­ris­ti­schen Gedichte um die Kunst­fi­gur Kuttel Daddeldu bekannt ist. Joachim Ringel­natz war aber auch Seemann. Seine zum Teil haar­sträu­ben­den Erleb­nisse veröf­fent­lichte er 1910/1911 im „Schiffs­jun­gen-Tage­buch“. Später, mit dem Ausbruch des 1. Welt­krie­ges, meldete sich der aben­teu­er­sehn­süch­tige 31jährige Bötti­cher sogar als Frei­wil­li­ger zur Kriegs­ma­rine. Dass der mit seinen sarkas­ti­schen Versen in der Weima­rer Repu­blik bekannte Ringel­natz aber auch ein erfolg­rei­cher Maler war, Freund von Otto Dix und George Grosz, weiß kaum jemand. Während die Gedicht­bände bis heute verlegt werden, taucht der Name Ringel­natz im Kanon der Malerei so gut wie nicht auf. Dabei war das Malen und Zeich­nen für ihn in den 1920er Jahren zum zweiten Stand­bein gewor­den. Wir lassen Ringel­natz leben­dig werden und zeigen Origi­nal-Gemälde- und Buch­aus­ga­ben, Zeich­nun­gen, Fotos, Film- und Tonauf­nah­men.

Fotos © Staats- und Univer­si­täts­bi­blio­thek Hamburg Carl v. Ossietzky

Wolf­gang Borchert (*20. Mai 1921 in Hamburg; † 20. Novem­ber 1947 in Basel) schrieb schon in seiner Jugend zahl­rei­che Gedichte und gilt als einer der wich­tigs­ten Autoren der Nach­kriegs­li­te­ra­tur. Sein Heim­keh­rer-Drama „Draußen vor der Tür“ ist welt­be­kannt. Doch er wollte in seinem kurzen Leben eigent­lich viel lieber als Schau­spie­ler und Kaba­ret­tist arbei­ten. Borchert besaß zudem auch noch eine außer­ge­wöhn­li­che Doppel­be­ga­bung: er zeich­nete sehr gut. Mit nur 26 Jahren starb er an den Folgen einer Leber­er­kran­kung, die er sich an der Front zuge­zo­gen hatte und nie geheilt werden konnte. Wir zeigen Gemälde und Zeich­nun­gen (keine Origi­nale), Fotos, Film- und Tonauf­nah­men.

Helene Bock­horst, geboren in Hamburg, ist Autorin, Come­di­enne und Poetry-Slam­me­rin mit Master­ab­schluss in Jour­na­lis­tik und Kommu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft. Oktober 2018 ging sie mit ihrem ersten abend­fül­len­den Solo­pro­gramm „Die fabel­hafte Welt der Thera­pie“ in Deutsch­land, Öster­reich und der Schweiz auf Tour und gewann den Hambur­ger Comedy Pokal – als erste Frau in der Geschichte des Pokals. Ihr Slam-Video „Unfrei­wil­lige Jung­fräu­lich­keit“ wurde zum viralen Hit auf Face­book und YouTube mit über fünf Millio­nen Klicks. „Die beste Depres­sion der Welt heißt Helenes Debüt-Roman, der dem sozia­len Umgang mit psychi­schen Krank­hei­ten mit Witz begeg­net. Im Januar startet ihr 2. Solo­pro­gramm “Die Bekennt­nisse der Hoch­stap­le­rin Helene Bock­horst”.

Zur Entspan­nung malt Helene leiden­schaft­lich gerne Fische. Wir zeigen ihre Zeich­nun­gen, ein paar Fotos und Film­aus­schnitte.

Nur Januar – Mitte Juni

Bull­au­gen­bli­cke — Gemal­tes Seemanns­garn von Kaba­ret­tist Dirk Langer alias Nagel­ritz, der musi­zie­rende Seefah­rer. Der Seemann Nagel­ritz ist seit vielen Jahren auf den Kaba­rett- und Klein­kunst­büh­nen unter­wegs. Dort erzählt er von seinen skur­ri­len Reisen und Begeg­nun­gen. Ein Bestand­teil sind stets dabei seine Bilder, mit denen er seine Geschich­ten unter­streicht. Nun zeigt er seine Malerei in einer Ausstel­lung. Sein Blick auf die Dinge ist verspielt, humor­voll, absurd und umkreist seine mari­time Kunst­welt, wie Möwen den Fisch­kut­ter beim Einho­len der Netze. Kommen sie an Bord und erleben sie erhel­lende „Bull­au­gen­bli­cke“. Oder lassen sie sich einfach wie die Möwen über dem Fisch­kut­ter durch die Ausstel­lung treiben, irgend­was fällt ja immer ab.

Musi­ka­lisch-Kaba­ret­tis­ti­sche Muse­ums­füh­run­gen von und mit Nagel­ritz sind am Fr, 11. Juni 2021 um 17 Uhr und um 19.30 Uhr | So, 13. Juni 2021 um 11 Uhr und um 15 Uhr nach vorhe­ri­ger Anmel­dung (60min | 12 €) vorge­se­hen. Weitere Führungs­ter­mine sind in Planung. Bei Inter­esse bitte nach­fra­gen und anmel­den.

Nur Juli – Dezem­ber
Der „Ungläu­bige Thomas“, eines der berühm­tes­ten
Gemälde von Cara­vag­gio.
Hier à la Egers­dör­fer.

Matthias Egers­dör­fer (*28. Dez. 1969 in Nürn­berg) ist Kaba­ret­tist, Autor, Musiker und Schau­spie­ler. Im Franken-“Tatort” spielt er den Leiter der Spuren­si­che­rung, Michael Schatz, mit für frän­ki­sche Verhält­nisse erträg­li­cher Laune. Auf der Bühne aber ist und bleibt der mehr­fach ausge­zeich­nete Kaba­ret­tist Egers­dör­fer der wütende Misan­throp mit unver­kenn­ba­rem Hang zur Chole­rik. Der Weg zu seinen Erfol­gen hat viele Statio­nen. Zunächst studierte Egers­dör­fer Germa­nis­tik mit Neben­fach Thea­ter­wis­sen­schaft und Philo­so­phie fast zu Ende. Dann schloss er eine Ausbil­dung zum Medi­en­be­ra­ter ab, um sich dann endlich dem zu widmen, was er eigent­lich wirk­lich immer hatte studie­ren wollen: die Malerei. Mit großem Eifer, Ernst und Respekt absol­viert er auf „seine alten Tage“ ein Studium an der Akade­mie der bilden­den Künste in Nürn­berg als Meis­ter­schü­ler bei Peter Anger­mann. Um danach als freier Künst­ler kaba­ret­tis­tisch und musi­ka­lisch mit den verschie­dens­ten Projek­ten bundes­weit aufzu­tre­ten. Wir zeigen Origi­nal-Gemälde, Zeich­nun­gen, Fotos, Film- und Tonauf­nah­men.

Kristin Bauer — Horn (*16.12.1936 in Sömmerda — † 07.08.2014 in Freu­den­stadt). Die in Thürin­gen gebo­rene Künst­le­rin gehörte zu den nur wenigen Frauen, die damals öffent­lich auftra­ten, u.a. bei den Open Air-Festi­vals auf der Burg Waldeck 1964 ‑1969. Die ‘Chanson-Poetin’ verstand sich zwar als poli­ti­sche Lieder­ma­che­rin, aber sie wider­setzte sich dem Trend, “so links wie möglich zu sein, und auch, sich in einen bestimm­ten Sound einzu­fü­gen”. 1982 vergab das Unter­haus in Mainz in der Sparte ‘Chanson’ seinen Deut­schen Klein­kunst­preis an Kristin Bauer-Horn, “die unver­wech­sel­bare zeit­kri­ti­sche und poeti­sche Lieder schreibt, kompo­niert und inter­pre­tiert, die, von der Öffent­lich­keit fast unbe­merkt, für dieses Genre Maßstäbe gesetzt hat”. Mit 15 Jahren – mit einer Sonder­er­laub­nis als jüngste deut­sche Voll­stu­die­rende – widmete Kristin Bauer-Horn sich u. a. bei Profes­sor Willi Baumeis­ter (*1889-†1955) an der Kunst­aka­de­mie Stutt­gart der Malerei. Wir bewah­ren ihren Nach­lass hier im Kabarett­archiv und zeigen nun ein paar Origi­nal-Gemälde und Fotos und lassen ihre Lieder erklin­gen.

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